Ernährungstipps Herzinfarkt - Was dann?

Redaktion
Herzgesunde Ernährungstipps

von Anja Dannenberg

Viele Menschen, die einen Herzinfarkt hatten, sind verunsichert. Ihr Arzt rät ihnen, die Ernährung umzustellen - aber wie? Ernährung und Herzinfarkt-Risiko ob es einen Zusammenhang gibt und welche Nahrungsmittel wirklich vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen und sogar einen Herzinfarkt vorbeugen, das wird in unzähligen Studien weltweit seit Jahren untersucht. Doch auch das schafft für Betroffene nicht immer Klarheit: Viele Ergebnisse widersprechen sich, einige Studien sind fehlerhaft durchgeführt worden oder nicht repräsentativ. Zudem finden sich unzählige Artikel in der Presse, man wird überschüttet von gut gemeinten Ratschlägen von Bekannten und nicht selten sorgen auch aufdringliche Werbeanzeigen über spezielle Präparate für Verwirrung. Wir haben uns einige der bekanntesten Ernährungstipps für Risikopatienten oder bereits herzkranke Menschen einmal genauer angesehen. Was ist dran an den angepriesenen Wirkungen?



Im Bereich der Naturheilkunde werden einige pflanzliche Lebensmittel bzw. deren Inhaltsstoffe mit einer Senkung des Cholesterinspiegels und mit dem Schutz vor einem Herzinfarkt in Verbindung gebracht. Viele der Kenntnisse beruhen auf alt hergebrachten Erfahrungen und Traditionen und weniger auf modernen klinischen Studien. Hier einige Beispiele:

Weißdorn
Grapefruit
Artischocke
Knoblauch
Bio-Milch
Vitamin E
Margarine mit Zusatznutzen
Meist überflüssig: Pillen und Dragees
Problemfall Cholesterin
Gesunde Tradition vom Mittelmeer
Omega-3-Fettsäuren
Gute Vorsorge durch ballaststoffreiche Kost
Rundum gesund mit Obst und Gemüse


Weißdorn

ist die wichtigste in der Kardiologie verwendete Heilpflanze. Inhaltsstoffen wie den Flavinoiden und den Procyaniden wird ein günstiger Einfluss auf die Schlagstärke bzw. die Kontraktionskraft des Herzmuskels zugeschrieben. Ausreichend hohe Dosierungen, wie sie bei Präparaten mit Trockenextrakt erreicht werden, zeigten in etlichen klinischen Studien eine über den Plazebo-Effekt hinausgehende Wirksamkeit. Das Befinden und die Leistungsfähigkeit der Patienten erhöhen sich. Als ausreichend abgesichert gilt die Wirkweise aber noch nicht, da die meisten Bewertungsparameter nicht eindeutig zu bestimmen sind. Fest steht: Bei fortgeschrittenen Phasen der Herzinsuffizienz ist die Wirkung einer Therapie mit Weißdorn nach dem aktuellen Kenntnisstand zu schwach. Der Patient sollte sich auf diese Mittel bei schweren Erkrankungen in keinem Fall verlassen!

Grapefruit

Ist die Grapefruit in Form von Saft, als ganze Frucht oder als Extrakt der optimale Cholesterinsenker? Viele Werbeanzeigen wollen genau das Glauben machen. Die wissenschaftliche Datenlage hierzu ist sehr dürftig. Im Tierversuch sind zwar diverse positive Effekt zu verzeichnen, diese sind aber auch mit ähnlichen Inhaltsstoffen (Pektinen) aus anderen Früchten und Gemüsesorten zu erzielen. Nach derzeitigem Kenntnisstand hat die Grapefruit keine hervorzuhebende Bedeutung für die Absenkung des Cholesterin-Gehalts im Blut.

Artischocke

Die Artischocke wird ebenfalls immer wieder im Zusammenhang mit Cholesterin genannt. Aus den Grundblättern der Artischocken wird ein Trockenextrakt gewonnen, der nach einer Hamburger Studie in hochdosierter Form als Kapseln oder Dragees den Serumcholesterin-Gehalt senken soll. Die für diesen Prozess verantwortlichen Wirkstoffe Cynarosid und Luteolin befinden sich allerdings nicht in den frischen Artischockenherzen. Eine Literaturrecherche in wissenschaftlichen Datenbanken erbringt darüber hinaus nur dürftige Resultate. Umfangreiche Studien über vorbeugende Effekte eines Artischockenverzehrs gibt es hierzulande nicht. Aufgrund dieser Datenlage stellt auch beispielsweise die Deutsche Gesellschaft für Ernährung eine Cholesterin senkende Wirkung von Artischocken-Bestandteilen in Frage.




Knoblauch

Auch den Inhaltsstoffen des Knoblauchs werden seit Jahrzehnten positive Effekte auf das Gefäßsystem nachgesagt. Viele der entsprechenden Studien hatten allerdings mit Formfehlern und anderen Problemen zu kämpfen, die Ergebnisse sind demnach oft wissenschaftlich nicht anerkannt. Zudem waren sie oft widersprüchlich. Ob Knoblauch den Cholesterinspiegel tatsächlich senkt, wird daher von vielen Experten in Frage gestellt. Eine britische und eine kanadische Langzeitstudie wiesen allerdings gute Behandlungserfolge nach Gabe von hochdosierten Knoblauchpräparaten auf. Professor Holger Kiesewetter von der Charité in Berlin berichtet, dass in seiner 4jährigen Studie die Gabe eines Knoblauchpräparats das Wachstum der arteriosklerotischen Plaques erheblich verringerte und sogar zu einer geringfügigen Rückentwicklung der Plaques führte.



Bio-Milch: Besonders gesund?

Die Milch von glücklichen Weide-Kühen ist besonders gesund, denn sie enthält besonders viel konjugierte Linolsäure, abgekürzt CLA (Conjugated Linoleic Acid). Diese bioaktive Substanz findet zunehmendes Interesse, da sie als schützend gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs gilt. Derzeit ergründen Forschungsprojekte auf der ganzen Welt, wie sich CLA im menschlichen Organismus auswirkt.




Vitamin E: Lange überschätzt

Noch vor einigen Jahren glaubten Experten, dass zusätzliche Gaben von Vitamin E vor einem Tod durch Herzinfarkt schützen können. Interventionsstudien am Menschen brachten aber lediglich positive Ergebnisse in Bezug auf den LDL-Cholesterinspiegel im Blut, einem Risikofaktor für die Entstehung von Arteriosklerose. Es wird vermutet, dass bei der Entstehung der Arteriosklerose auch sogenannte freie Radikale eine Rolle spielen - hochaktive Teilchen, die zum Beispiel im Blut die ungesättigten Fettsäuren des LDL-Cholesterins angreifen und oxidieren. Das veränderte LDL-Cholesterin lagert sich nun sehr leicht an die Gefäßwände an, das Gefäß verengt sich mehr und mehr. Der Blutdurchfluss ist immer stärker behindert. Radikalfänger, so auch das Vitamin E, verhindern, dass es zu den Oxidationsprozessen des LDL-Cholesterins kommt. Bevor die freien Radikale das Cholesterin angreifen, werden sie abgefangen. Das ist das Ergebnis einer deutschen Studie mit über 2.000 Teilnehmern sowie einer Untersuchung der Harvard School of Public Health. Bei der Wirksamkeit von Tocopherolen (Vitamin E) sind aber noch viele Fragen zu Dosis und Wirkung offen. Die Einnahme von hochdosierten Präparaten wird nicht empfohlen.

Margarine mit Zusatznutzen

Schon seit mehreren Jahren ist bekannt, dass spezielle sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe, die sogenannten Phytosterine (fettähnliche Verbindung), die Absorption von Nahrungs-Cholesterin im Darm hemmen. Der Plasmacholesterinspiegel kann dadurch bis zu 10 % gesenkt werden. Die Cholesterin senkende Wirkung der Phytosterine beruht auf der Ähnlichkeit dieser beiden Stoffe. Phytosterine übernehmen in der Pflanze ähnliche Aufgaben wie Cholesterin im tierischen Organismus. Daher kann es zu einer Hemmung der Cholesterin-Resorption im Dünndarm kommen, indem die Phytosterine mit dem Cholesterin um die Einbindung in Mizellen konkurrieren bzw. dieses wieder aus den Mizellen vertreiben. Phytosterine sind natürliche Inhaltsstoffe in Pflanzenölen, Nüssen, Saaten, Getreide, Obst und Gemüse. Durch die Bindung dieser Pflanzenstoffe an langkettige Fettsäuren können sie heute auch in Lebensmittel, z. B. in Pflanzenmargarine, eingebaut werden. Die Verwendung einer phytosterolhaltigen Margarine darf jedoch nicht dazu führen, dass die Fettaufnahme mit der Nahrung unverändert hoch bleibt.

Meist überflüssig: Pillen und Dragees

Für die meisten der hier aufgeführten Stoffe gilt: Die Forschung läuft auf Hochtouren, bis allerdings stichfeste Daten zur Wirkweise vorliegen, kann noch viel Zeit vergehen. Fest steht: Sie können allemal ergänzend wirken. Das Geld für teure Präparate sollte man sich besser sparen, denn mit einer herzgesunden Ernährung nimmt man die meisten Wirkstoffe ohnehin reichlich auf. Die Risikoverminderung durch Pillen, Kapseln & Co. wird bei weitem nicht so hoch sein wie die, die sich durch die Beseitigung der bekannten Risikofaktoren wie Übergewicht, Rauchen, erhöhter Alkoholkonsum, fettreiches Essen etc. erreichen lässt.

Problemfall Cholesterin

Neben einem hohen Blutdruck ist ein über längere Zeit bestehender erhöhter Cholesterinspiegel eine der wichtigsten Ursachen der Arteriosklerose. Cholesterin gelangt über tierische Fette in den Körper, wird aber hauptsächlich vom Körper selbst produziert. Sicher ist es ratsam, auf Cholesterin-Bomben wie z.B. Eidotter, Innereien und Schalentiere zu verzichten und sich insgesamt sparsamer zu ernähren. Aber hier gehen die Meinungen auseinander: Wo manche Experten rigoros den Verzehr von cholesterinreichen Lebensmitteln verbieten, sind andere toleranter. Ihr überzeugendes Argument: Der Cholesterinspiegel ist nun einmal zum größten Teil durch die genetisch determinierte körpereigene Produktion bedingt. Das mit der Nahrung aufgenommene Cholesterin aus tierischen Fetten hat bei den meisten Menschen nur einen geringeren Einfluss darauf.




Gesunde Tradition vom Mittelmeer

In manchen Bereichen sieht die wissenschaftliche Beweislage schon besser aus. Stichwort mediterrane Kost: Menschen aus dem Mittelmeerraum, die sich traditionell ernähren, sterben deutlich seltener an Herz-Kreislauferkrankungen als die Mitteleuropäer. Sie essen viel frisches Obst und Gemüse, Hülsenfrüchte, Oliven und Fisch, was den Blutfettspiegel günstig beeinflusst.

Fette Seefische wie z. B. Lachs, Hering, Makrele, Sardine oder Thunfisch enthalten größere Mengen an Omega-3-Fettsäuren, die den LDL-Cholesterin-Spiegel im Blut senken. In vielen Studien konnte belegt werden, dass Omega-3-Fettsäuren auch die Fließeigenschaften des Blutes verbessern, die Arterien elastisch halten und sowohl gerinnungs- als auch entzündungshemmend wirken. So beugen sie arteriosklerotischen Gefäßveränderungen vor. Es gilt als bewiesen, dass der Verzehr von Fischölen die Überlebenschancen nach einem Herzinfarkt deutlich verbessert und das Risiko eines zweiten Infarkts vermindert. Für eine gute Versorgung werden wöchentlich zwei Fischmahlzeiten empfohlen.


Omega-3-Fettsäuren: Gesund, aber kein Wundermittel

Auch beim Anmachen von Salaten und beim Braten kommt es auf das richtige Fett an. Rapsöl, Walnuss-, Soja- und Weizenkeimöl beispielsweise liefern zusätzlich Omega-3-Fettsäuren.

Natürlich sind die Omega-3-Fettsäuren kein Allheilmittel gegen Herzkrankheiten. Ohne eine dauerhafte Ernährungsumstellung auf eine obst- und gemüsereiche Kost mit vielen Ballaststoffen und täglich ein bisschen Bewegung bringen auch sie nicht die gewünschten vorbeugenden Effekte.

Für Patienten, die hohe Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufweisen, macht unter Umständen die Einnahme von hochdosierten Fischölpräparaten Sinn. Die Kapseln sollte allerdings niemand auf eigene Faust einnehmen, sondern nur auf ärztlichen Rat hin.

Gute Vorsorge durch ballaststoffreiche Kost


Viele Ballaststoffe bzw. Getreidefasern in der Ernährung bereiten eine gute Vorsorge fürs Herz, indem sie den Blut-Cholesteringehalt senken das ist seit langem bekannt und gut untersucht. Viele verschiedene Ballstaststoffe wie Psyllium, Pektine, Glucane, Guar, Inulin, u.a. werden derzeit weltweit untersucht, andere sind auch schon im therapeutischen Gebrauch. Zum einen hemmen sie vermutlich die Resorption von Nahrungscholesterin im Darm, zum anderen regen sie die Synthese von Gallensäuren an, was den erhöhten Verbrauch von Cholesterin mit sich bringt.




Rundum gesund mit Obst und Gemüse

Mit mediterraner Kost oder aber auch mit der traditionellen asiatischen Küche ist man grundsätzlich gut beraten. Obst, Gemüse und frische Kräuter kommen hier reichlich auf den Tisch. Sie enthalten viele sekundäre Pflanzenstoffe. Derzeit werden weltweit Hunderte verschiedene Gerb-, Farb- oder Aromastoffe untersucht. Einigen dieser Stoffe wird bereits jetzt ein "herzschützender" Effekt nachgesagt. Lycopin beispielsweise, mit dem Tomaten besonders üppig ausgestattet sind, hat sich als regelrechtes Pflegemittel für angegriffene Blutgefäße entpuppt. Ähnliches vermutet man von den Polyphenolen im Rotwein.

Im Buchhandel findet man viele Ratgeber rund um das Thema Herzinfarkt und seine Risikofaktoren. Gesunde Rezeptideen findet man nicht nur in Kochbüchern rund ums Mittelmeer, sondern auch in solchen für vegetarische und asiatische Speisen.

Quelle: www.wdr.de