Ernährungstipps Lachen - die beste Medizin?

Redaktion
Mood Food: Nahrung für die Seele


von Ulla Potthast



Schlechte Laune? Selber Schuld, so scheint es. Blättert man in Life-Style-Magazinen, Frauenzeitschriften und vielen Neuerscheinungen am Büchermarkt, gewinnt man schnell den Eindruck, nichts sei leichter als sich gute Stimmung einfach anzufuttern. Zu den häufigsten Empfehlungen zählen:
"Schokolade für die Seele", "Ananas als Frustkiller" und "Pasta macht glücklich". Was ist dran?


Serotonin - das "Glückshormon"

Essen ist viel mehr als nur die Aufnahme von Nährstoffen und Energie. Es hat auch großen Einfluss auf unser seelisches Befinden, auf Stimmungen und Gefühle. Seit vielen Jahren versuchen Mediziner, Ernährungswissenschaftler und Neurobiologen, die genauen Wirkungsmechanismen und Zusammenhänge zu klären. Eine Schlüsselsubstanz für unser Gefühlsleben ist das körpereigene Glückshormon Serotonin. Es vermittelt uns Entspannung, Zufriedenheit und Harmonie. Steigt der Serotoninspiegel, steigt damit auch unsere Stimmung. Fällt der Serotoninspiegel unter das normale Level ab, neigen wir zu trüben Gedanken. Viele depressive Menschen leiden unter einem Serotoninmangel.

Die Bildung von Serotonin im Gehirn kann, wie man inzwischen weiß, über bestimmte Nahrungsinhaltsstoffe beeinflusst werden. Wichtigster Baustein dafür ist der Eiweißbestandteil Tryptophan. Tryptophan zählt zu den essenziellen Aminosäuren, d. h. der Körper kann diese Aminosäure nicht selbst herstellen. Sie muss also regelmäßig mit der Nahrung zugeführt werden. Es reicht allerdings nicht, nur vermehrt eiweißreiche Lebensmittel mit hohem Tryptophangehalt wie Käse, Quark, Geflügel, mageres Fleisch, Fisch, Hülsenfrüchte oder Nüsse zu essen.


Süßes hebt die Stimmung


Erst durch den gleichzeitigen Verzehr von Kohlenhydraten gelangt Tryptophan vermehrt ins Gehirn, wo es zu Serotonin umgebaut werden kann. Nach einer kohlenhydratreichen Mahlzeit schüttet der Körper Insulin aus, das u. a. den Transport von Aminosäuren aus dem Blut in die Gewebe fördert. Einzige Ausnahme ist das Tryptophan. Es bleibt im Blut und gelangt nun relativ ungehindert ins Gehirn, wo daraus Serotonin entsteht.

Süßes und Fettes fördern die Serotoninbildung am stärksten. Das erklärt auch die Beliebtheit von Schokolade. Doch viel hilft hier nicht viel. Denn wer ständig Süßes isst, speichert die überflüssigen Kalorien als Speck auf den Hüften, und dann ist die gute Stimmung futsch. Zucker hat die stärkste Wirkung auf das Glückshormon, diese ist jedoch auch schnell wieder verpufft. Einen etwas geringeren Effekt haben süße Früchte und komplexe Kohlenhydrate in Pasta, Kartoffeln, Reis und Vollkornprodukten, die aber allemal wesentlich gesünder sind. Einige wenige Lebensmittel enthalten von Natur aus schon geringe Mengen an Serotonin. Dazu zählen Früchte wie Bananen und Ananas, vor allem jedoch Walnüsse. Doch der Verzehr großer Mengen macht nicht automatisch sofort gute Laune. Serotonin wirkt hauptsächlich im Gehirn, es kann die so genannte Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden. Das kann nur seine Vorstufe, das Tryptophan. Von außen zugeführtes Serotonin bringt nichts für die Stimmung, denn es gelangt gar nicht ins Gehirn.


Heilfasten für die innere Harmonie

Es gibt Menschen, die essen bei Stress, Ärger oder sonstigen Belastungen etwas Süßes, andere entscheiden sich für einen fetten Imbiss und wieder andere essen einfach überhaupt nichts mehr. Auch das funktioniert, denn auch längeres Fasten hat positive Wirkungen auf die Psyche. Weil beim Fasten viele Prozesse im Körper langsamer oder reduziert ablaufen, zirkuliert einmal ausgeschüttetes Serotonin sehr viel länger im Gehirn, bevor es wieder neutralisiert wird. Viele Fastende fühlen sich dann besonders ausgeglichen und spüren eine innere Harmonie.


Gute Laune durch Pepper-High-Effect


Auch ein feuriges indisches Curry, ein scharfes chinesisches Wokgericht oder italienische Pasta arrabiata können die Stimmung heben. Das liegt an den verwendeten Chilis und Peperoni und ihrem superscharfen Inhaltsstoff Capsaicin. Seine Wirkung erklärt die Wissenschaft so: Beim Genuss von scharfen Speisen löst die konzentrierte Capsaicin-Dosis auf der Zunge einen brennenden Schmerzreiz aus. Darauf folgt eine Ausschüttung von körpereigenen morphiumartigen Schmerzkillern, so genannten Endorphinen. Diese bewirken ein gesteigertes Glücksempfinden und eine leichte Euphorie. Nach dem Genuss von scharfen Speisen fühlt man sich dann richtig gut. Experten nennen das Phänomen auch "Pepper-High-Effect".
Der mexikanische Habanero-Chili gilt als das schärfste Gewürz der Welt. Neben Chilisaucen, Chilipulver und Cayennepfeffer haben auch andere Scharfmacher wie Ingwer, Senf und Meerrettich in hoher Dosierung eine ähnliche Wirkung.
Übrigens: Wer beim Versuch, sich ein echt scharfes Essen zu kochen, mal aus Versehen zu tief in die Gewürzkiste greift, kann das Brennen auf der Zunge am ehesten mit Joghurt, Milch, Bananen oder Eiscreme löschen.


Sauer macht lustig ...


... sagt der Volkmund, und da ist was dran. Zitronen, Limetten und andere saure Früchte wirken heftig auf die Geschmacksnerven unserer Zunge ein. Wer etwas Saures trinkt oder in einen richtig sauren Apfel beißt, muss unwillkürlich das Gesicht verziehen. Dabei entsteht oft ein lustiges Grinsen, das einen selbst und andere zum Lachen bringt.


Essen und Psyche: Eine komplexe Sache

Zwar hat die Wissenschaft inzwischen herausgefunden, wie einzelne Nahrungsbestandteile unser Gefühlsleben kurzfristig beeinflussen, aber die Wechselwirkungen zwischen Ernährung und Psyche sind insgesamt viel komplexer, als es zunächst scheint und noch längst nicht ausreichend erforscht. Um langfristig zum Wohlbefinden beizutragen, sollte die Ernährung vor allem vitalstoffreich und ausgewogen sein.


Gemeinsam essen macht glücklich

Es kommt nicht nur darauf an, was wir essen, sondern auch wie wir essen. Essen hat - genau wie Lachen - etwas Kommunikatives. Zusammen mit anderen macht es einfach mehr Spaß. Warum nicht öfter mal Freunde zum Essen einladen oder sich mit anderen zum Essen verabreden? Kochen kann man auch prima gemeinsam. Viele können sich nach einem harten Arbeitstag in der Küche so richtig gut entspannen. Essen spricht einfach alle Sinne an. Auch das Auge isst mit. Ein liebevoll gedeckter Tisch und eine Präsentation mit Pfiff steigern den Genuss. Und schon die Vorfreude auf ein positives Erlebnis hebt deutlich die Stimmung.

Quelle: www.wdr.de