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Redaktion
Gewürze und Gemüse: Gesundheit, die man essen kann


von Ulla Potthast




Gewürze verleihen unseren Speisen ihren charakteristischen Duft, ihren besonderen Geschmack und die Farbe, sie wirken appetitanregend und verbessern vielfach die Bekömmlichkeit von Gerichten. So verschieden wir ihre Aromen sind auch ihre gesundheitlichen Wirkungen. Gewürze fördern die Verdauung, wirken antibakteriell und entzündungshemmend, regen den Kreislauf an oder reduzieren die Gefahr eines Herzinfarktes, indem sie das Blut flüssiger machen. Gewürze können auf die Nerven anregend oder beruhigend wirken und haben einen erheblichen Einfluss auf die Stimmung.

Seit dem Altertum werden spezielle Lebensmittel - vor allem Gewürze, Kräuter und Gemüse - immer auch als Heilmittel eingesetzt. Bis ins 19. Jahrhundert, bevor man Arzneimittel synthetisch herstellen konnte, war man ausschließlich auf die Apotheke der Natur angewiesen. In vielen Pflanzen findet sich eine Fülle von natürlichen Inhaltstoffen, die nicht nur würzende, sondern auch gesundheitliche Wirkungen haben. Dazu gehören vor allem ätherische Öle, Alkaloide, sowie Bitterstoffe und scharfmachende Substanzen. Als Gewürze bezeichnet man die getrockneten Teile von würzenden Pflanzen. Sie können aus verschiedenen Teilen der Pflanzen gewonnen werden: aus Blüten (z. B. Safran), Früchten (z. B. Pfeffer), Samen (z. B. Senf), Wurzeln (z. B. Ingwer) oder aus Rinden (z. B. Zimt).

Wirkungen von Gewürzen



Appetitanregend: Pfeffer, Paprika, Koriander, Fenchel, Anis, Muskatnuss
Antibakteriell: Knoblauch, Gewürznelken, Thymian, Zimt, Chili, Ingwer, Senf
Blähungshemmend: Anis, Fenchel, Kümmel
Blutdrucksenkend: Knoblauch, Zwiebel
Durchblutungsfördernd: Rosmarin, Thymian, Wacholder
Kreislaufanregend: Chili, Pfeffer, Koriander, Paprika
Entzündungshemmend: Salbei, Ingwer
Verdauungsfördernd: Fenchel, Anis, Kümmel, Senf, Pfeffer, Piment, Chili, Knoblauch, Curry
Tipps für dem Umgang mit Gewürzen

Die wertgebenden Inhaltsstoffe der Gewürze, die für ihren Geschmack und die arzneilichen Wirkungen verantwortlich sind, können bei falscher Lagerung leicht verloren gehen. Für die Küche und die Hausapotheke ist deshalb folgendes zu beachten:

Wenn möglich frische Produkte verwenden, z. B. frischen Knoblauch, Meerrettich, etc.
Gewürze nur in kleinen Mengen kaufen. Würzkraft und Heilwirkungen lassen bei langer Lagerung nach.
Gewürze trocken und lichtgeschützt aufbewahren. Gerade die ätherischen Öle sind sehr lichtempfindlich.
Gewürze erst kurz vor dem Verzehr zerkleinern, d. h. mahlen oder im Mörser zerstoßen.
Gewürze nicht direkt aus dem Streuer in dampfende Speisen gegeben werden. Dadurch nehmen sie im Gefäß Feuchtigkeit auf, Schimmelpilze können sich dann leicht vermehren und die Gewürze verderben schneller.

Ingwer: Gewürz und Heilmittel


Die asiatische und die karibische Küche liegen voll im Trend, und damit steigt auch der Verzehr Gewürzen, die bislang noch weniger bekannt sind. Eines davon ist Ingwer. Die unscheinbare Wurzel der Ingwerstaude wird heute in fast allen subtropischen Regionen angebaut. Ihr Geschmack ist scharf-aromatisch, hervorgerufen durch eine Vielzahl ätherischer Öle, besonders Zingiberol und Zingiberen.
Wer beim Einkauf nach Ingwer sucht, findet ihn im Gewürzregal getrocknet als gelbliches Pulver. Ein viel intensiveres Aroma liefert jedoch der frische Ingwer aus der Gemüseabteilung, der, fein gerieben oder gehackt, Gemüse-, Fisch- und Fleischgerichten eine würzige Note verleiht. Auch fruchtige Drinks können mit Ingwer geschmacklich und gesundheitlich aufgepeppt werden.

Schutz vor Erkältungen

Sowohl die traditionelle chinesische Medizin als auch die ayurvedische Medizin schätzen Ingwer, als Hausmittel gegen vielerlei Beschwerden. Gerade beim Vorbeugen vor Erkältungen spielt Ingwer eine wichtige Rolle. Halsentzündungen und Husten werden durch die starken ätherischen Öle gelindert. Hier eignet sich frischer Ingwertee zum Trinken oder zum Gurgeln.

Da Ingwer stoffwechselanregende Eigenschaften besitzt, kann er zur auch Stärkung der Abwehrkräfte getrunken werden. Bei Reisekrankheit hat es sich bewährt, einfach ein Stück Ingwer zu kauen oder ab und zu etwas Ingwertee zu trinken. Ingwer bietet außerdem Hilfe bei Appetitmangel, Völlegefühl, Blähungen, Sodbrennen und Magen- und Darmträgheit. Wird er regelmäßig zum Kochen verwendet, so entfaltet er präventiv seine Heilwirkungen. Er kann ebenso gut aber gezielt als Medizin eingesetzt werden.


Artischocke: Gesunde Distel


Bei Feinschmeckern gilt die Artischocke als besondere Delikatesse. In Deutschland kommt sie bislang dennoch eher selten auf den Tisch. Anders in den Ländern rund ums Mittelmeer. Hier haben Rezepte mit den köstlichen Gemüsedisteln eine lange Tradition. Es gibt zahlreiche verschiedene Artischockensorten, die unterschiedlich zubereitet werden: Kleine, große, runde, spitze, hellgrüne bis dunkelviolette. Die kleinen, zarten Sorten können im Ganzen verzehrt werden, während von den dicken Artischocken, die zum größten Teil aus der Bretagne stammen, nur ein kleiner Teil essbar ist. Liebhaber dieser Sorte haben es vor allem auf die fleischigen Blattansätze und die Artischockenböden abgesehen. Größere Artischocken werden meist gekocht serviert. Dazu reicht man gerne Kräuter-Vinaigrette oder frische Mayonnaise. Die Blätter werden einzeln abgezupft und nach Belieben in die verschiedenen Saucen getaucht. Essen kann man jeweils nur den unteren saftigen Teil der Blätter. Sind alle Blätter abgezupft, wird das sogenannte Heu im Innern entfernt. Anschließend lässt sich der Artischockenboden in Stücke schneiden und ebenfalls mit den Saucen verzehren.

Förderung der Fettverdauung

Ihren herben Geschmack verdankt die Artischocke dem Cynarin, einem Bitterstoff mit hohem gesundheitlichen Wert. Er wirkt senkend auf den Cholesterinspiegel und hat eine positive Wirkung auf die Gallentätigkeit. Bei Symptomen wie Völlegefühl, Übelkeit, Verstopfung oder Bauchschmerzen bildet der Körper oft zu wenig Gallensaft, der aber unverzichtbar für eine geregelte Fettverdauung ist. Eine Folge von zu wenig Gallensaft ist ein Ansteigen der Blutfette Cholesterin und Triglyzeride, die wiederum zu Arterienverkalkung und ernsthaften Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen können. Cynarin kann ein gestörtes Leber-Galle-System wieder in die Balance bringen.
Bereits in vergangenen Jahrhunderten haben sich Heilkundige immer wieder für die wohltuende Wirkung der Artischocken interessiert. Heute sind die Inhaltsstoffe der gesunden Disteln weitgehend bekannt. Artischocken enthalten neben dem Bitterstoff Cynarin vor allem Vitamine der B-Gruppe, Vitamin E und Provitamin A, an Mineralstoffen besonders Eisen, Calcium, Magnesium und Phosphor. Zudem ist ihr Inhaltsstoff Inulin ein besonders wertvolles Kohlenhydrat, das vom Körper ohne das Hormon Insulin abgebaut werden kann.

Heilpflanze des Jahres 2003

Wegen ihrer positiven Effekte auf Leber und Galle und ihrer cholesterinsenkenden Wirkung haben Würzburger Arzneikundler die Artischocke vor kurzem zur Arzneipflanze des Jahres 2003 gekürt. Auch die Pharmaindustrie hat das gesunde Distelgewächs für sich entdeckt und vermarktet seine Wirkstoffe in konzentrierter Form, z. B. als Kapseln, Dragees, Tabletten, Pflanzensaft oder Tropfen. Bei Artischockenpräparaten aus der Apotheke sollte man solche mit hoher Trockenextraktdosis bevorzugen, sie sind besonders wirksam.

Quelle: www.wdr.de